Das Interview im Zum Paulaner
Ein Mittagessen mit ... Thorsten Puttenat alias Putte
Thorsten Puttenat puzzelt aus Tönen Melodien und schreibt sich das Leben von der Seele. Ein Gespräch über das Warten auf die große Liebe, über Heimat, Freunde und was ihn auf die Palme bringt.
Steffen Schmid
Thorsten Puttenat alias Putte komponiert Musik für Film, Fernsehen und Imagewerbung und ist Teil von Putte & Edgar sowie Sorry Computer.
Du, ich verspäte mich um zehn Minuten; in der U-Bahn gab's einen Notfall und der Sanka musste kommen." Mit Verspätung also stürmt Putte in den Paulaner und verkündet: "Auf Schweinebraten mit Knödel freue ich mich mich schon seit gestern. Das ist ein richtiges Sonntagsessen - das muss sein, auch dienstags." Lachend, lustig, unkompliziert, nachdenklich, der Stuttgarter Musiker Thorsten Puttenat hat viele Facetten: Er komponiert Musik für Film, Fernsehen und Imagewerbung und ist Teil von Putte & Edgar sowie Sorry Computer. Und dabei kann Thorsten Puttenat keine Noten lesen, hat sich aber das Spielen von Bass, Gitarre und Klavier selbst beigebracht hat. "Töne sind für mich wie Lego. Ich setze sie am Klavier intuitiv zusammen, es muss passen und sich gut anhören - egal wie, Hauptsache es gefällt mir." Auf diese Weise hat er für dreizehn Filme die Musik komponiert, unter anderem für "Mein Bruder der Vampir". Und zwar in seiner Woh nung im Römerkastell, die auch zugleich sein Studio ist. Ist dieses für den 34-Jährigen Heimat? "Heimat, das bin ich ganz alleine mit mir, das sind meine Freunde, das ist meine Wohnung. Aber mein persönliches Stuttgart sind zwei Orte: der Palast der Republik und seit zehn Jahren die Waggons am Nordbahnhof. Sie sind jedes Wochenende mein Wohnzimmer. Dort sind meine Freunde, dort wird die Musik gespielt, die mir gefällt - die der 60er Jahre."
Die Songs auf dem Debütalbum von Sorry Computer hingegen klingen ein wenig nach den frühen Beatles und den Beach Boys. Die Texte hierzu stammen von ihm. Sie sind persönlich, handeln von dem, was er erlebt hat: "Im Song Superwow geht's um die Liebe, und darum, nach einer Trennung offen zu sein und auf die Liebe zu warten", erzählt Putte und schiebt nach: "Im Grunde ist es ein Lied über meine jetzige Freundin, aber das wusste ich damals noch nicht." Zu "Don't work too much" inspirierte ihn ein Freund, dem vor lauter Arbeit die sozialen Kontakte abhanden gekommen sind: "Es geht vielen so. Die wissen gar nicht mehr, wenn sie Urlaub oder frei haben, was sie mit sich anfangen sollen. Das ist einfach ungesund." Menschen zu beobachten, zu sehen, wie sie reagieren und was sie tun, fasziniert den Musiker, aber "Arroganz und Stolz bringen mich auf die Palme". "Der Mensch spielt seine Rolle auf dieser Welt leider nicht besonders gut. Zumal das Rechthaberische für sehr viel Leid auf dieser Welt verantwortlich ist. Gerade deshalb gefällt mir Barack Obama, weil er auch Fehler eingestehen kann. Das ist Stärke, das begeistert mich." Und was würde er von OB Schuster gerne mal hören? Putte lacht: "Auf Wiedersehen Stuttgart, es war eine schöne Zeit."
Unsere Autorin, Redaktionsleiterin Sabine Gallner-Sieglen, hat sich das Debütalbum angehört und sich deshalb schon sehr auf das Gespräch gefreut. Mit Thorsten Puttenat alias Putte war sie Mittagessen im: Zum Paulaner, Calwer Str. 45, S-Mitte, Tel. 22 41 50, So-Do 10-24, Fr/Sa 10-1 Uhr, zumpaulaner.de
Die Bayern-Oase im Schwabenland und das mitten in der City. Deftig die Küche, urig das Ambiente, eben ein Wirtshaus, wie man es sich vorstellt. ...mehr





