Sie hat persische Wurzeln, eine bemerkenswerte Stimme und klare Ansichten: Die Frankfurter Soulsängerin Kaye-Ree spricht mit uns in ihrem Lieblingscafé über ihr Debütalbum, Michael Jackson und den Iran.
Julia Kroh
Kaye-Ree. Ihr Markenzeichen, ein buntes Kopftuch, trägt sie "aus rein modischen Gründen".
Kay-Ree sitzt im "Mirador" auf der Berger Straße und heult Rotz undWasser. Es ist der Tag, an dem die Welt von Michael Jacksons Tod erfahren hat. Der "King Of Pop" war ihrgroßes Idol, seit Kindertagen. Sie erzählt uns,wie sie als Grundschülerin stundenlang denMoonwalk übte, ihr Zimmer mit Jackson-Postern tapezierte oder bei einer Projektwoche einen Workshop leitete, in dem sie und ihre Mitschüler das "Thriller"-Video nachgespieltund getanzt haben. "Er wird weiterleben", sagt Kaye-Ree. Es ist ihr ein wenig peinlich, dass sie vor uns in Tränen ausgebrochen ist, aber "ich kann einfach nicht anders. So bin ich eben."
Die Frankfurter Soulsängerin strotzt vor Natürlichkeit. Sie lacht viel, ist witzig - und hat einige Prinzipien. "Ich bin kein Barbiepüppchen, ich bin Steinbock. Ich muss meinen Kopf durchsetzen", ist ein typischer Kaye-Ree-Satz. Oder: "Das Leben ist keine Generalprobe."
Sie hat die Angebote einiger Produzenten, die aus ihr "einen erfolgreichen Popact" machen wollten, abgelehnt, um schließlich ihr eigenes Label zu gründen. Dort ist nun ihr Debüt "Endless Melody" erschienen. Die ersten Besprechungen waren sehr wohlwollend, einige Kritiker haben sie schon mit Sade oder Lauren Hill verglichen. "Überglücklich" ist Kaye-Ree, die früher bei Sabrina Setlur im Backgroundchor gesungen hat, darüber. Sie hofft, bald auch anderen Künstlern die Möglichkeit zu bieten, ihre Stücke zu veröffentlichen. Ihren Job bei der Lufthansa, wo sie am "First Class Terminal" Vielflieger betreut, will sie trotzdem behalten. Das sorgt für Bodenhaftung. Und gibt ihr die Möglichkeit, günstig nach Florida zu reisen, wo ihr Freund lebt.
Video-Tipp: Endles Melody, Kaye-Ree
Geboren ist sie in Isfahan im Iran. Nach der Machtübernahme der Mullahs ging die Familie nach Deutschland. Als Tochter einer deutschen Mutter und eines persischen Vaters ist sie zwischen zwei Kulturen aufgewachsen. "Ich bin halb Teppich, halb Kartoffel", hat Kaye-Ree das bei einer Konzertansage kürzlich charmant beschrieben. Die Proteste gegen die Manipulation der iranischen Präsidentenwahl haben sie sehr bewegt. "Es gibt jetzt kein Zurück mehr. Es wird einen Umbruch geben", davon ist sie überzeugt. Mit ihren Verwandten in Isfahan konnte sie in den vergangenen Tagen kaum sprechen, immer wieder wurden die Telefonleitungen gekappt. Sie selbst ist schon einige Male in den Iran gereist, ein paar Brocken Farsi spricht sie auch, "ungefähr auf dem Niveau einer Dreijährigen". "Der Iran ist ein beeindruckendes Land", sagt Kaye-Ree,"die Menschen dort sind so offen, freundlich und großzügig, wie ich es nirgendwo anders auf der Welt erlebt habe."
Unser Autor Alexander Jürgs traf Kaye-Ree zum Mittagessen im Mirador (Nordend, Berger Str. 65,Tel. 48 98 20 87, So-Do 10-1, Fr/Sa 10-3 Uhr)
Kaye-Ree, bürgerlich Kathrin Eftekhari, wurde 1979 geboren und ist in der Nähe von Limburg aufgewachsen. Nach ihrem Marketingstudium ist sie nach Frankfurt gezogen, wo sie seit fünf Jahren lebt. Ihr Markenzeichen, ein buntes Kopftuch, trägt sie "aus rein modischen Gründen".
myspace.com/kayeree
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