Indem er bekannten literarischen Werken auf der Bühne durch umgeschriebene Phrasen und interaktivem Schauspiel eine eigene Sprache verleiht, öffnet der Intendant der St. Pauli Ruine verschlossene Literaturtüren.
Toni Kretschmer
Jörg Berger ist seit zehn Jahren Intendant und Regisseur des Theaters St. Pauli Ruine.
Mit den Händen formt Jörg Berger, Kolumbus der Theatertauglichkeit der St. Pauli Ruine, ein Fernglas über seinen Augen und schafft so die wichtigste Grundlage eines Interviews: das Zueinanderfinden beider Gesprächsparteien. Mal aufrecht sitzend, mal nach vorn gebeugt, erzählt er bei Tagliatelle, Scampi und Weißweinschorle vom Sein und Werden der Theaterruine und unterstützt seine Erläuterungen malerisch mit gezielten Handbewegungen. Sein bisheriger Lebenslauf liest sich wie ein einmaliges Bühnenstück, von dem er die einzelnen Szenen mit angestrengter, entspannter oder humorvoller Mimik wiedergibt. Dem Kapitel "Studium der ... ich weiß es selbst nicht mehr" (es war Hydrologie), dessen Motivation ursprünglich im Umweltschutz lag, kann er nur noch ein Schmunzeln abgewinnen. Unbewegt erläutert Berger, dass er nach den Anfängen auf der Uni-NZ / Stadt Bühne und im Theater der Jungen Gene - ration sowie einer Bewerbungsserie für zahlreiche Inszenierungen mit einer Fest - anstellung am Puppentheater seinem Ziel, "selbst säen, wachsen sehen und ernten" näherkommen wollte. Vor zehn Jahren ging er mit seiner bühnenlos gewordenen Schauspielgruppe auf Reisen, entdeckte die Kriegsruine und hauchte ihr wieder Leben ein. Blitzartig kehrt auch wieder Leben in seine Körpersprache, als wir bei dem Auftritt seiner größten Rolle, der Leitung der Hechtviertelbühne, angekommen sind.
Schnell kommt das Jubiläumsevent am siebten und achten des kommenden Monats zur Sprache, bei dem nicht nur Shakespeares "Sommernachtstraum" so zeitgemäß und voller Bezüge zu aktuellen Problemen inszeniert wird, dass jeder einen Zugang zu dem Stück bekommt. Auch die Musik kommt im Freilichttheater zu ihrem Recht. Und das ist keineswegs selbstverständlich: "Wir machen zu viel Lärm", poltert Berger mit einem ironischen Unterton und einem ebenso aussagekräftigen Blick. Weniger überraschend ist die Wahl eines Shakespeare-Stückes bei einem Regisseur, der seine Katze nach dem Hamlet-Autor benannt hat. Diese Leidenschaft für den britischen Autor begründet Berger mit der poetischen Sprache der Texte und mit der Wirkung der an das Globe Theatre erinnernden Ruine, denn: "Jede Bühne braucht ihr Stück". Und für Jörg Berger steht bereits fest: "Shakespeare hat noch viele tolle Stücke, die wir noch nicht gespielt haben".
Unsere Autorin Jenny Wolf ist freie Redakteurin bei PRINZ Dresden und würde eine Katze namens Shakespeare niemals mit Caesar füttern. Mit Jörg Berger war sie Mittagessen im: Brunetti, Altstadt, An der Frauenkirche 13, Tel. 485 08 18, Mo-Sa 11.30-23.30, So 10.30-23 Uhr, brunettidresden.de
Menschen
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