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Party am Polarkreis

Reykjavík

Ans Schlafen denkt während der langen Sommernächte in Reykjavík keiner. Stattdessen wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen - und keine Wirtschaftskrise.


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ReykjavíkAileen TiedemannUm am nächsten Tag wieder einen klaren Kopf zu kriegen, fährt man am besten mit einem Schiff aufs Meer hinaus. Im Alten Hafen von Reykjavík legen gleich neben den Walfangschiffen Boote ab, die regelmäßig zu den Walgründen fahren (whalewatching.is). Vorbei an der Insel Akurey, auf der im Sommer Tausende von Papageientauchern brüten, geht es knapp eine Stunde aufs Meer hinaus, bis plötzlich die ersten Zwergwale ihre Rückenflossen aus dem Wasser heben. Beim Abtauchen hinterlassen die acht Meter langen Riesen eine spiegelglatte Wasseroberfläche, und man kann nur erahnen, wo sie als Nächstes auftauchen werden. Deshalb sollte man die Seevögel unbedingt im Auge behalten. "Dort, wo sich die Möwen ins Wasser stürzen, sind meist auch Wale auf Fischfang", erklärt Touristenguide Magnus. Ist gerade kein Meeressäuger zu sehen, blickt man auf schneebedeckte Vulkane und zieht sich die Wollmütze tief ins Gesicht, denn auch im Sommer ist es auf dem Meer ziemlich kalt.

Warm und gemütlich ist es nachmittags im Café Hemmi og Valdi (Laugarvegur 21). Im hinteren Teil des kleinen Lokals spielen Kinder mit Bauklötzen, vorn tritt gerade eine Band auf. Die drei Musikerinnen von Síra Byrkir tragen Hornbrillen, bunte Strumpfhosen und haben Treppenstufen im Haar. Alle Gäste im Café lauschen ihrer melancholischen Gitarrenmusik, die einzig vom Pfeifen der Espressomaschine gestört wird. Improvisierte Auftritte wie diese sind typisch für Reykjavík, wo überraschend viele junge Künstler und Musiker leben. "Es ist nirgendwo so einfach, ein Künstler zu sein, wie hier", erklärt die 23-jährige Borghildur, die selbst an Islands Kunstschule Listaháskóli studiert. "Wir sind eine sehr kleine Gemeinschaft, in der wir uns gegenseitig dabei unterstützen, unsere Ideen in die Tat umzusetzen."

Im gerade neu eröffneten Café Karamba (Laugarvegur 22) wurde jede Wand von einem anderen Künstler gestaltet, und im Naked Ape (Bankastræti 14) bedruckt ein Künstlerkollektiv mithilfe von Siebdrucktechnik Hoodies und Leggings. Kein Kleidungsstück gleicht dem anderen. "So mögen wir das", sagt Borghildur. "In Reykjavík kleiden wir uns alle möglichst individuell. Wahrscheinlich liegt es daran, dass hier nur so wenig Menschen leben und wir uns deshalb voneinander abheben wollen." Das gilt nicht nur für Frauen. Männer gehen genauso kreativ mit ihrem Äußeren um. In bunten Jacketts, spitz zulaufenden Schuhen und Stirnbändern sieht man sie die Straße entlanglaufen. Zutaten für diesen Look finden sie im Secondhandladen Spúútnik (Laugarvegur 29) oder beim angesagten Herrenausstatter Andersen & Lauth (Laugarvegur 7), der mehr Avantgarde bietet, als in den meisten europäischen Metropolen zu finden ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Welche Auswirkungen der Staatsbankrott auf das Leben in der Stadt hat und mit welcher Leichtigkeit die Isländer trotzdem ihren Alltag meistern.


Reisetipp: Wer Islands Natur erkunden will, kann von Reykjavík Tagesausflüge zu Geysiren und Wasserfällen machen. Die Blaue Lagune ist sogar nur 45 Minuten mit dem Bus entfernt. Wer noch mehr von der spektakulären Landschaft sehen will, schließt sich am besten einer Rundreise an. Young Line Travel von Marco Polo bietet eine 15-tägige Tour an - inklusive Bootsfahrten durch Gletscherlagunen, Whale-Watching und Besuch des mächtigen Gullfoss-Wasserfalls. Die Reise startet und endet in Reykjavík und bietet noch genügend Raum für eigene Aktivitäten. (Rundreisen von Juni bis August, Info-Tel. 00800/24 02 24 02, marco-polo-reisen.com)

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