Festivalguide 2013
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Ein etwas anderer Nachbericht

Haldern Pop 2010


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Haldern Pop 2010


Richtung Brocken, Borken oder Bocholt? Diese Wutzelzwerg-Dorfnamen haben mich während meiner Anfahrt (ohne Navi) schon ein wenig verwirrt. Am Ende passen sie aber perfekt zur Wutzelzwerg- und Kinderkoordinaten-Internetaufmachung des Festivals (haldern-pop.de) (Eis- und Weihnachtskugeln, Erdbeeren und Gänseblümchen), so dass auf jeden Fall schon der Hinweg mit zur Festival-Erfahrung zu zählen ist.

Zudem fährt man über Wälder, Wiesen und Felder, an läuteten Dorfkirchenglocken vorbei und genau dort, wo man denkt: "Hier kann es doch nicht sein!", ja, genau dort muss man links rein. Ah, da klebt ja auch der mit Edding beschriebene DIN A 4-Zettel an der Stange des Straßenschildes, dass hier vom 12.-14. August etwas Besonderes passiert. Der leise Unmut über etwas mangelnde Beschilderung wird sofort weggeblasen, wenn man sich dem Gelände über den Feldweg holpernd weiter nähert und von ganz liebevoll bemalten Willkommens-Schildern auf allen möglichen Sprachen begrüßt wird. Nun fühlt man sich irgendwie zugehörig; zum Club der Leute, die den richtigen Weg gefunden haben und nun das schon seit langem ausverkaufte Haldern Pop genießen dürfen. Mit leicht beschämtem Gefühl im Hinterkopf denkt man sich noch mal kurz: "Natürlich hab auch ich den verwunschenen Festival-Ort gefunden. Natürlich ohne riesige, konventionelle, eindeutige Neon-Richtungs-Pfeile! Beim Haldern Pop wirkt alles noch auf sehr sympathische Weise unberührt und das, obwohl sich das Festival bereits zum 28. Mal jährt. Der Campingplatz bietet sprießend grünes Gras als Schlafgrundlage, nicht staubige, vermüllte Ackerfurchen, welche man von manch anderem Festival gewohnt ist. Würde nicht ein bisschen Stacheldrahtzaun in der Sonne aufblitzen, könnte man denken, man wäre mitten auf der Kuhweide, deren eigentliche Bewohner die Zelt-Kulisse ganz in Ruhe von nebenan begutachten.

Der erste Augenaufschlag auf dem eigentlichen Festival-Gelände lässt einen großen Stilmix erblicken: freie Oberkörper und Strohhüte, bunte Fake-RayBans und Jutebeutel, Blumenkleidchen mit geflochtenen Goldbändchen und Gummistiefel. Auch die Standauswahl kann man weder in die Hurricane-Kommerz- noch in eine Fusion-artige Öko-Schublade stecken: Es gibt einen gediegenen Biergarten, Coffee-to-go- und Zigarettenstand, herkömmliche Currywurst- und Pizzaangebote, aber auch Vegifood und Bioeis (saulecker, danke, kleiner Jakob!). Sonst kann man noch hübsche Buttons, selfmade-Portemonnaies und Schlüsselanhänger shoppen oder Klamotten anprobieren. Wären doch alle Umkleidekabinen so schön natürlich-luftig und einfach nur Gardinenvorhänge gespannt zwischen zwei Bäumen. Zwischendrin wuseln zahlreiche kleine Kids mit Riesenkopfhörern durch die Menge, um die kindlichen Gehörgänge vor zu lauter Beschallung zu schützen. Sonst müssen sich Kinder vor gar nichts schützen beim Haldern. Im VIP-Bereich tanzen auch vor allem die Kleinen über Blumenwiesenhügelchen mit Spielbällen und Diabolos. Es ist hier wahrscheinlich hauptsächlich der Nachwuchs der Dorffamilien, die das Festival damals ursprünglich ins Leben gerufen haben.

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